Die Kinder der Utopie Die Kinder der Utopie

„Willkommen in einer Schule für alle!“

“Das System Schule muss sich ändern und dabei nicht mehr auf die Defizite, sondern auf die Stärken der Schüler*innen schauen”, fordert der Regelschullehrer Jan M.

„Willkommen in einer Schule für alle!“

Eine Bestandsaufnahme unseres Schulsystems:

„Ich freue mich so, dass ich jetzt bald inklusiv unterrichten darf!“, sagte Frau Müller, eine junge Referendarin, vor ihrer ersten Unterrichtsstunde. Diese Einstellung ist genau die, die wir brauchen, wenn Inklusion in Deutschland gelingen soll.

Über den Schultoren der Republik sollten wehende Banner hängen, die das Zeitalter der Inklusion ankündigen und allen klar machen, dass es schon lange so weit ist und wir nicht mehr zurück können.

Jeder Rückschritt wäre ein Schlag in das Gesicht aller Menschen in Deutschland, die an die Gleichheit vor dem Gesetz glauben.

Grundschulen in Deutschland sind wirkliche Gemeinschaftsschulen. Es gibt eine sehr große Heterogenität in den Bereichen Bildungsniveau, soziale Fertigkeiten, Sprachfertigkeiten und körperliche Entwicklung. Das ist der Grund, warum die Arbeit für Frau Müller und für alle anderen Lehrkräfte so anstrengend und gleichzeitig auch so spannend ist.

Der primäre Auftrag der Schule ist der Bildungsauftrag. Aufgrund der großen Unterschiede zwischen den Kindern nimmt aber die zweite Aufgabe der Schule, der Erziehungsauftrag, einen immer größeren Raum ein.

Situation im Klassenzimmer

Foto: Szene aus KLASSENLEBEN

Unterrichten ist in der heutigen Zeit viel mehr als ein Handwerk. Die Herausforderungen einer Multioptionsgesellschaft sind nur schwer zu bewältigen. Das zeigt sich unter anderem an der hohen Burn-Out-Quote von Lehrkräften oder auch daran, dass an einer Berliner Grundschule schon Wachpersonal eingesetzt werden musste, um den sozialen Frieden zu wahren. Dies führt dazu, dass in den meisten Regelschulen, auch in der Schule von Frau Müller, diejenigen Kinder, die einen besonderen Förderbedarf haben, eher beschäftigt werden, als dass sie sinnvoll lernen.

Lehrkräfte sind auch nur Menschen und sie werden schon lange nicht mehr allen Schüler*innen gerecht – wenn sie es überhaupt je wurden. Die Spannweite der Unterschiede ist einfach sehr groß und Lehrkräfte sind leider keine Universalgenies mit zusätzlichen Studienabschlüssen in Psychologie, Sozialer Arbeit und Sonderpädagogik.

Das Regelschulsystem, wie es heute aufgebaut ist, nimmt nicht alle Schüler*innen mit.

Deswegen haben wir ja auch noch ein dreigliedriges Schulsystem. Eine Schule, die alle mitnimmt, muss anders organisiert werden: Lehrer müssten immer im Team unterrichten, und je Team sollte eine Lehrkraft Sonderpädagogik studiert haben. Außerdem bräuchte es pädagogische Mitarbeiter*innen, die einzelne Schüler*innen bei Aufgaben betreuen und Schulbegleiter*innen für alle Kinder mit Unterstützungsbedarf. Das ist keine Utopie, sondern Grundvoraussetzung für schülergerechtes Lernen.

Damit in der Schule wirklich jede*r nach ihren/seinen Fähigkeiten lernen kann, muss Schule sich unbedingt weiterentwickeln. Das Stichwort heißt Individualisierung. Es können nicht 30 Kinder in der gleichen Zeit den gleichen Stoff bearbeiten und dann zum gleichen Zeitpunkt zum gleichen Ergebnis kommen – egal ob es sich um Kinder mit und ohne Behinderung handelt. Damit jedes Kind in seinem eigenen Tempo und an dem für ihn passenden Lerninhalt arbeiten kann, müssen sich die Schularchitektur, der Stundenplan und die Zusammenarbeit der Lehrkräfte verändern. Inklusion kann nur erfolgreich sein, wenn unser Schulsystem nicht mehr nach den Defiziten der Schüler guckt, sondern den Blick darauf richtet, dass es normal ist, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und dies als Stärke gesehen wird. Das ist keine Utopie – diverse Schulen in Deutschland haben schon erfolgreich diesen Weg beschritten und ihn somit geebnet.

Jetzt heißt es für alle anderen sich auch auf den Weg zu machen, mit wehendem Banner in der Hand, auf dem steht: „Willkommen in einer Schule für alle!“


Wir werfen einen neuen Blick auf Inklusion – entspannter und lösungsorientierter. Inspiriert dazu hat uns der neue Film DIE KINDER DER UTOPIE.

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