Die Kinder der Utopie Die Kinder der Utopie

Fakten: Inklusive Bildung in Deutschland

Während unserer Arbeit am Projekt DIE KINDER DER UTOPIE gab es viele Diskussionen und Rückfragen über den aktuellen Stand der Umsetzung der Inklusion an Deutschlands Schulen. Hier sind einige Antworten auf die häufigsten Fragen.

Fakten: Inklusive Bildung in Deutschland

Zusammengestellt von Raúl Krauthausen und Eva-Maria Thoms.

Schulpflichtige Kinder mit Förderbedarf in Deutschland

  • insgesamt: 7,1% aller schulpflichtigen Kinder (Schuljahr 2016/17); Tendenz steigend [1] (Förderquote)
  • davon an Förderschulen: 4,3% aller schulpflichtigen Kinder (Schuljahr 2016/17) [2] (Exklusionsquote).
  • davon an Regelschulen: 2,8% aller schulpflichtigen Kinder bzw. 39,3% aller Kinder mit Förderbedarf (Schuljahr 2016/17) [3] (Inklusionsquote bzw. Inklusionsanteil)
  • Im Übergang Schule/Beruf schneiden Förderschulen unbefriedigend ab: Nur 16,3 % aller Abgänger*innen erreichen eine Ausbildung oder sogar ein Studium. [4]
  • Der Anteil von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterscheidet sich sehr stark zwischen den Bundesländern. In Schleswig-Holstein beträgt er 6,44 Prozent aller Schulkinder, in Mecklenburg-Vorpommern liegt er mit 9,82 Prozent ein Drittel höher. Auch die Förderschulquote unterscheidet sich deutlich zwischen Bremen (1,22 % aller Schulkinder) und etwa Sachsen (5,72 %) oder Baden-Württemberg (4,92 %). [5]
  • Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den allgemeinen Schulen ist in den vergangenen zehn Jahren in allen Bundesländern von rund 12 Prozent auf durchschnittlich 39,2 Prozent rasant gestiegen. Die Förderschulquote ist dagegen kaum gesunken. In Bayern besuchen heute sogar anteilig mehr Kinder die Förderschulen als vor Beginn der Inklusion. Grund dafür ist die steigende Zahl festgestellter sonderpädagogischer Förderbedarfe. [6]
  • insgesamt: ca. 33500 Schulen (Schuljahr 2016/2017) [7]
  • Wenn Deutschland ein inklusives Schulsystem ohne Förderschulen hätte, würden sich die Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf wie folgt verteilen (statistisch, bei Klassenstärke von 20 Schülern):
    • in jeder Klasse ein bis zwei Kinder mit besonderem Förderbedarf,
    • in jeder Klasse ein Kinder mit Lern-, Verhaltens- oder Sprachproblemen,
    • in jeder 6. Klasse ein Kind mit geistiger Behinderung,
    • in jeder 14. Klasse ein körperlich behindertes Kind [8]

Förderbedarfe

Ein sonderpädagogischer Förderbedarf wird Personen zugesprochen, die in ihren persönlichen Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten so beeinträchtigt sind, dass sie auf Förderung angewiesen sind um ihre Lernziele zu erreichen. [9]

  • allgemein: 7,1% aller schulpflichtigen Kinder haben einen Förderbedarf
    • Förderbedarf Lernen: 36,5% aller Kinder mit Förderbedarf
    • Förderbedarf Emotionale und soziale Entwicklung: 16,6% aller Kinder mit Förderbedarf
    • Geistige Entwicklung: 16,7% aller Kinder mit Förderbedarf
    • Förderbedarf Sprache: 10,7% aller Kinder mit Förderbedarf
    • Körperliche und motorische Entwicklung: 7% aller Kinder mit Förderbedarf
    • Förderbedarf Hören: 3,7% aller Kinder mit Förderbedarf
    • Förderbedarf Sehen: 1,6% aller Kinder mit Förderbedarf [10]

Typische Fragen zur inklusiven Bildung

(1) Kann Inklusion wirklich für alle Kinder mit Behinderung umgesetzt werden?

  • Voraussetzung für Inklusion in der Schule ist, dass Schulen ihren Alltag und ihren Unterricht entwickeln und auf diese Art eine individuelle Förderung aller Schüler*innen ermöglichen. Entsprechende Unterrichtskonzepte sind in einzelnen Schulen seit Jahrzehnten entwickelt und umgesetzt. Dort ist es auch schon in der Vergangenheit gelungen, selbst Kinder mit schwersten Behinderungen inklusiv zu unterrichten. Erfahrungen zeigen, dass gerade Kinder mit schwersten Einschränkungen sehr von den Anregungen eines “normalen” Schullebens profitieren. Unabhängig von der Schulform kann Schule für Kinder mit besonders schweren Einschränkungen oder auch Verhaltensauffälligkeiten aber nur gut gelingen, wenn das notwendige Personal nicht vorenthalten wird.
  • Mobbing, scheiternde Bildung und “schwierige Klassen” gibt es an allen Schulformen und ist an Förderschulen nicht seltener als an allgemeinen Schulen. All dies trifft Kinder ohne Behinderung genauso wie Kinder mit Behinderung. Die UN-Behindertenrechtskonvention gilt für alle Menschen mit Behinderung. Wer das Recht auf Teilhabe nur verwirklicht, wenn es keine große Mühe verursacht, verstößt gegen Menschenrechte.

(2) Lernen Kinder mit Behinderung an Förderschulen besser?

  • Ob Kinder gut lernen, ist abhängig von der Qualität des Unterrichts und von einer fördernden Umgebung. In der Förderschule heutiger Prägung stehen einerseits mehr Lehrkräfte zur Verfügung. Andererseits fehlen die vielfältigen Anregungen durch sehr unterschiedliche Mitschüler*innen. Hier lernen Kinder mit Schwierigkeiten gemeinsam mit Kindern mit (ähnlichen) Schwierigkeiten. Die Schüler*innen sind ständig konfrontiert mit dem eigenen und dem fremden Nicht-Können. Der vermeintliche “Schonraum” Förderschule trennt Kinder von der restlichen Kindergesellschaft und verringert dadurch Teilhabechancen.
  • Was die Schulabschlüsse betrifft, gibt es keinen Nachweis für besseres Lernen an Förderschulen. Zwei Drittel ihrer Schüler*innen erreichen keinen Abschluss [11]
  • Diverse Studien liefern Hinweise, dass Kinder mit Behinderung im inklusiven Setting z.B.bessere Ergebnisse erzielen, weniger Stigmatisierung erfahren, ein positives Selbstkonzept entwickeln, eher Schulabschlüsse erreichen und bessere Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt haben [12]

(3) Werden Kinder mit Behinderung in der inklusiven Schule gemobbt?

  • Mobbing trifft Kinder aus ganz unterschiedlichen Gruppen, auch z.B. Kinder gleichgeschlechtlicher Eltern, Kinder mit keinen bzw. vielen Geschwistern, Kinder aus bestimmten Wohngebieten, Kinder mit anderer Religion etc.; Mobbingprobleme an Schulen verschwinden nicht, wenn die Opfer die Schule verlassen. Sie verschwinden nur, wenn die Schule mit pädagogischem Handeln und sozialem Lernen am Schulklima arbeitet.
  • Mobbingprobleme gibt es nicht nur an allgemeinen Schulen, sondern auch an Förderschulen.
  • Menschen mit Behinderung sind gesellschaftlichen Vorurteilen ausgesetzt. Diese können nur abgebaut werden, wenn es einen kontinuierlichen gemeinsamen und als positiv empfundenen Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gibt. Gegen Diskriminierung jeglicher Art hilft nur ein aktiver Umgang und die bewusste Gestaltung eines diskriminierungsfreien Klimas durch alle Mitglieder der Schulgemeinschaft.

(4) Werden in inklusiven Klassen die Kinder ohne Behinderung benachteiligt und beim Lernen gestört?

  • wissenschaftliche Studien belegen, dass keine schlechteren und teilweise auch bessere Ergebnisse erzielt werden [13]
  • Von einem modernen Unterricht mit inklusiver Didaktik profitieren alle Schüler*innen. Wenn jeder auf seinem eigenen Niveau lernen darf, müssen auch besonders begabte und schnell lernende Schüler*innen nicht mehr gebremst werden. Im Gegensatz zum traditionellen Unterricht muss mit dem Lernfortschritt nicht mehr auf Nachzügler gewartet werden.
  • Inklusive Klassen mit sehr unterschiedlichen Kindern können diese sehr komplexen sozialen Situationen erfahren und haben damit vielfältigere Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten (z.B. Sozialverhalten, Selbstkonzept)

(5) Kostet inklusiver Unterricht mehr?

  • Übergangsprozesse erfordern zusätzliche Ressourcen. Besonders teuer ist es, die Inklusion zu entwickeln und gleichzeitig vielerorts in Deutschland über lange Zeit hinweg das komplette bestehende Förderschulsystem zu erhalten. [14]
  • Grundsätzlich gilt: Gute Bildung ist immer auch eine Frage der Ausstattung von Schulen. Hier investiert Deutschland unbestritten zu wenig. [15]
  • Investitionen in Bildung zahlen sich volkswirtschaftlich aus. Dies gilt auch, wenn die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt durch die Inklusion in der Schule verbessert wird. [16]

(6) Ist Inklusion Gleichmacherei?

  • Inklusion ist das genaue Gegenteil von „Gleichmacherei“. Während unser gegenwärtiges Regelschulsystem stets versucht, Kinder in Gruppen von möglichst Gleichen zu sortieren, setzt Inklusion bewusst auf die Anerkennung von Vielfalt und Individualität. Niemand muss “gleich” sein, um dazu zu gehören. [17]

(7) Ist Inklusion eine Belastung und deshalb nur in Grenzen möglich?

  • Wenn alle Mitglieder einer Gesellschaft teilhaben können, ist dies auch für die Gesellschaft ein Gewinn. Belastend sind desolate Rahmenbedingungen. Eine Belastung kann es auch sein - zumindest vorübergehend -  wenn Dinge geändert werden müssen, angefangen von Gesetzen über Verwaltungshandeln und Arbeitsroutinen bis hin zu persönlichen Gewohnheiten.

(8) Braucht Inklusion nicht viel mehr Zeit?

  • Die erste öffentliche allgemeine Schule hat schon vor 44 Jahren begonnen, auch Kinder mit Behinderung aufzunehmen. Inklusion ist also kein neues Thema. Den weiteren Aufbau integrativer Schulen in anderen europäischen Ländern hat Deutschland jedoch verschlafen und stattdessen das Förderschulsystem weiter ausgebaut. Spätestens seit Rechtsgültigkeit der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 hätte in allen Bundesländern ein energisches Umsteuern erfolgen müssen. Zehn Jahre danach kann mit Zeitmangel nicht mehr seriös argumentiert werden.

(9) Müssen nicht erst einmal die Schulen für Kinder mit Behinderung  ausgestattet werden, bevor man mit Inklusion beginnt?

  • Die meisten Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind nicht auf eine barrierefreie Ausstattung der Schulen angewiesen. Selbst von den Kindern mit körperlichen Behinderungen sind längst nicht alle gehbehindert und damit auf Rampen und Aufzüge angewiesen. Zudem kann so manches Problem der fehlenden Barrierefreiheit oder der unzureichenden räumlichen Ausstattung vorübergehend auch ohne teure Umbauten überwunden werden. Mit der inklusiven Entwicklung zu beginnen, ist also in jedem Schulgebäude möglich.
  • Dennoch ist diese Frage eine Aufforderung an alle privaten und öffentlichen Schulträger: Schulen sind öffentliche Orte und müssen für alle Menschen barrierefrei nutzbar sein. Darauf hinzuarbeiten, ist ebenfalls eine Verpflichtung aus der UN-Behindertenrechtskonvention. Völlig inakzeptabel ist, dass vielerorts beim Bau und bei der Renovierung von Schulen immer noch nicht auf Barrierefreiheit und räumliche Ausstattung für Inklusion geachtet wird.

(10) Sollte man Inklusion nicht besser auf Haupt- und Gesamtschulen beschränken, vielleicht auch auf einzelne Klassen?

  • Das deutsche gegliederte Schulsystem ist in der Tat eine schwierige Grundlage für inklusive Bildung. Da es aber keinen gesellschaftlichen Willen gibt, das Schulsystem zu ändern, werden wir im Detail auch mit Widersprüchen leben müssen, weil Inklusion sonst gar nicht möglich wäre. Schüler*innen der Bildungsgänge Lernen und Geistige Entwicklung passen nach den herkömmlichen Regeln des gegliederten Schulsystems genauso wenig in Hauptschulen und Gesamtschulen wie in Gymnasien..Trotzdem gibt es inzwischen in allen Schulformen Beispiele gelingender Inklusion. [18]
  • Inklusion ist ein gesellschaftliches Ziel, das alle Lebensbereiche betrifft. Deshalb wäre es geradezu absurd, bestimmte Schulformen wie das Gymnasium auszunehmen. Dann würden wir gerade künftigen Personalchefs, Politikern, Unternehmern, Wissenschaftlern, Ärzten, Lehrern und sogar Sonderpädagogen die Erfahrung eines selbstverständlichen gemeinsamen Aufwachsens und die damit verbundenen sozialen Kompetenzen vorenthalten.
  • Auch an den Gymnasien können viele Schüler*innen von einer modernen inklusiven Didaktik und von einer vielfältigen Klassengemeinschaft enorm profitieren. Mehr individuelle Förderung bedeutet für alle Schüler*innen auch, in persönlich starken Fächern schneller und umfangreicher lernen zu dürfen - und gleichzeitig in persönlich schwächeren Fächern mehr Zeit und Förderung zu bekommen. So könnten Gymnasien endlich auch besonders begabten Schüler*innen gerecht werden.

(11) Wenn aber die Sonderpädagog*innen und Lehrer*innen gar keine Inklusion wollen?

  • Viele Sonderpädagog*innen und Lehrer*innen setzen sich bereits aktiv für die Umsetzung der Inklusion ein und gestalten sie vor Ort in ihrer Schule. Dass es auch Kollegen gibt, die angesichts der neuen Entwicklung skeptisch sind, ist normal und keine Überraschung.Solche Skepsis ist oft Ausdruck von Unwissen und fehlender Vorstellungskraft und zeigt vor allem die Notwendigkeit von Fortbildungen, Hospitationen an „Best-Practice-Schulen“ und der  Vermittlung von Wissen für Handlungssicherheit, von interdisziplinärem Austausch und Reflexionsmöglichkeiten. [19] Denn Veränderungen sind unbequem und können Angst machen, v.a. wenn wie in diesem Fall von den Lehrer*innen verlangt wird, lang gewohnte Handlungsstrategien und Routinen zu hinterfragen.
  • Wenn Regierungen sich politische Ziele setzen, müssen sie damit rechnen, dass ihre ausführenden Verwaltungskräfte gegebenenfalls vom Sinn dieser Ziele erst überzeugt werden müssen. Auch diese Überzeugungsarbeit im eigenen Haus gehört zu ordentlichem Regierungshandeln. Letztlich muss sich der Staat jedoch darauf verlassen können, dass seine Angestellten loyal sind und ihre Aufgaben professionell und verlässlich durchführen.

(12) Ist Inklusion zu aufwendig?

  • In der politischen Diskussion wird oft über die Kosten der Inklusion gesprochen. Vergessen wird dabei regelmäßig, diese den Kosten für das hergebrachte Förderschulsystem gegenüber zu stellen. Ist der Umbau erst einmal geschafft, dann fallen die Kosten für die Bildung von Kindern mit Behinderung an anderer Stelle weitgehend weg.
  • Die Kosten inklusiver Bildung sind nicht einfach zu berechnen, weil sie nicht einfach von den Kosten der allgemeinen Schulen zu trennen sind. Gerade in einem unterfinanzierten allgemeinen Schulsystem ist die Gefahr in der Debatte groß, Kosten dem Thema Inklusion aufzubürden, die auch für eine gute nicht-inklusive Schule anfallen würden.

(13) Ist Inklusion nicht pure Illusion?

  • Streng genommen: Ja. Es ist kaum vorstellbar, dass eine Gesellschaft jemals so inklusiv sein wird, dass nicht doch immer wieder um die volle Teilhabe aller Menschen gestritten werden müsste. Dies gilt jedoch nicht nur für die Inklusion von Menschen mit Behinderung, sondern für alle Menschenrechte. Die unperfekte Gleichberechtigung der Frau,  die Verletzung von Freiheitsrechten, die real existierende Benachteiligung von Minderheiten und die immer wieder vorkommende Misshandlung von Kindern haben niemals als Argument getaugt, das Ziel aufzugeben.

Potentiale von Inklusion

  • Kinder können endlich gemeinsam mit Geschwisterkindern und Kindern aus der Nachbarschaft in eine Schule gehen und bleiben in der Gemeinschaft, können Freundschaften pflegen und auch hier selbstverständlich dabei sein.
  • Inklusion in der Schule ist eine wesentliche, wenn nicht DIE Voraussetzung dafür, dass in Zukunft auch die Teilhabe von Erwachsenen mit Behinderung in Gesellschaft und Arbeitswelt voran kommt. Nur so können Menschen ohne Behinderung lernen, Menschen mit Behinderung als Individuen zu sehen, und als selbstverständlich dazu-gehörend.
  • Beurteilung nach persönlichen Fähigkeiten und individuellen Lernerfolgen statt Diagnosen.
  • Inklusion in der Schule ist ein wirkungsvoller Schub für das Prinzip der Individuellen Förderung aller Schüler*innen, die zwar in vielen deutschen Schulgesetzen verankert ist, aber bisher im Schulalltag kaum umgesetzt wird. Sie verbessert damit die Bildung für alle Schüler*innen.
  • Inklusion ist nicht die Ursache der Überforderung von Schulen, sie macht die schlechten Zustände nur sichtbarer. Die für Inklusion zuständige Ausstattung (kleinere Klassen, mehr Personal, multiprofessionelle Teams etc.) sorgt dafür, dass Lehrer*innen auch  mehr Zeit für jeden einzelnen Schüler*in haben. , Erfahrene Inklusionslehrer*innen berichten, dass die Arbeit befriedigender wird und weniger Stress verursacht.
  • Das Leitprinzip der Inklusion ist die Teilhabe aller Mitglieder der Gesellschaft. Sie stärkt damit Demokratie und Zusammenhalt.

Aktuelle Barrieren

  • Durch die jahrzehntelange Tradition, Menschen mit Behinderung in Sonderwelten zu versorgen, hat die Bevölkerungsmehrheit verlernt, sie als Teil der Gesellschaft zu akzeptieren.
  • Zu den wesentlichen Barrieren gehört auch die Art der aktuellen Diskussion, weil sie überwiegend Probleme in den Fokus rückt und sich nicht an der Lösungsfindung beteiligt.
  • Der allgemeine Lehrer*innenmangel und das politisch gewollte Aufrechterhalten von zwei Schulsystemen.
  • Der fehlende politische Wille, endlich mehr Geld in Bildung zu investieren.
  • Die deutsche Fixierung auf Gymnasium und gegliedertem Schulsystem führt zu Widersprüchen und Konflikten
  • Der verbreitete Glaube, dass Kinder mit Behinderung vor dieser Gesellschaft schon in der Schule geschützt werden müssten, anstatt Bedingungen so zu verändern, dass Teilhabe möglich wird.
  • Der verbreitete Glaube, dass es nur möglichst viele Erwachsene braucht, um eine gute Förderung zu erreichen. Dies ignoriert die Erkenntnis, dass Kinder vor allem von Kindern lernen.
  • Der verbreitete Glaube, dass nur studierte Spezialisten mit Menschen mit Behinderung “umgehen” können.
  • Etikettierungs-Ressourcen-Dilemma = um fehlende Lehrstellen zu sichern, werden mehr Kinder mit Förderbedarf etikettiert bzw. diagnostiziert.

Quellen

[1] Klemm, 2018, S.7
[2] Klemm, 2018, S.7
[3] Klemm, 2018, S.7f.
[4] Aktion Mensch/DIE ZEIT, 2019, S.21
[5] Aktion Mensch, Webseite „Inklusionsquoten in Deutschland“
[6] Aktion Mensch, Webseite „Inklusionsquoten in Deutschland“
[7] Destatis Statistisches Bundesamt, 2018, S.36
[8] Schöler, 2011 auf inklusionsfakten.de
[9] Destatis Statistisches Bundesamt, 2018, S.22
[10] Klemm, 2018, S.14
[11] Klemm, 2015, S.23
[12] z.B.: Wocken, 2007 in Demmer-Dieckmann & Textor (Hrsg.), S.35-59 und Neumann et al. (2017) in Link & Stein (Hrsg.), S.39-48
[13] z.B.: Wocken, 2007 in Demmer-Dieckmann & Textor (Hrsg.), S.35-59; Neumann et al. (2017) in Link & Stein (Hrsg.), S.39-48; Klemm, 2015, S.20ff.
[14] Klemm, 2012 in Deutsche Unesco-Kommission e.V., 2014, S.18f.
[15] eurostat, 2015
[16] Deutsche Unesco-Kommission e.V., 2014, S.13f.
[17] Aktion Mensch, k.A.
[18] vgl. z.B. Mariengymnasium Jever, Städtisches Gymnasium Bad Segeberg, Schalker Gymnasium Gelsenkirchen u.v.m.
[19] Deutsche Unesco-Kommission e.V., 2014, S.24

Literaturverzeichnis


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